Das Betreute Wohnen in Familien, früher „Psychiatrische Familienpflege, ist  eine der ältesten Formen der Versorgung seelisch und geistig behinderter Menschen in Europa. Dabei hat sie sich im Lauf der Jahrhunderte immer wieder an die veränderten Bedingungen der jeweiligen Gesellschaft angepasst.

Hier eine kurze Übersicht über die wichtigsten Entwicklungsschritte.
Seit 1250 Geel, Belgien: Eine Legende aus dem 6. Jahrhundert begründet die besondere Hinwendung der Bewohner der Kleinstadt zu psychisch Kranken. Gründung einer „Heil- und Pflegeanstalt“, die sich vor allem dadurch auszeichnete, dass ein großer Teil der Insassen in Familien betreut wurden - und heute noch werden!
Geel war auch der Ausgangspunkt für die ab
Mitte 19. Jahrh. geführte Debatte um die Psychiatrische Familienpflege in Deutschland. Als Alternative zu den bereits existierenden psychiatrischen Anstalten umstritten, aber gegen
Ende 19. Jahrh. als billige Ergänzung zur asylierenden Versorgung eingeführt.
Psychisch Kranke werden vor allem von bäuerlichen Familien aufgenommen und als preiswerte Arbeitskräfte in der Landwirtschaft eingesetzt.
1934 leben rund 70 000 Patienten in psychiatrischen Anstalten, über 5000 in Familienpflege. Familienpflege war in dieser Zeit aufgrund der Gesetzeslage fast ausschließlich auf Preußen beschränkt (Land-Armengesetz!).
Bis 1945 Während des 3. Reiches und nach 1945 gerät die Familienpflege
„alter Prägung“ in Deutschland zunehmend in Vergessenheit.
Ab 1984 Modellversuche der Rheinischen Landesklinik Bonn und des
„Vereins zur Förderung psychisch Kranker Ravensburg, Weissenau e.V.“
(heute: ARKADE e.V.) in enger Zusammenarbeit mit dem Psychiatrischen
Landeskrankenhaus Weißenau.
1997 Die Teams der Familienpflege organisieren sich bundesweit als
„Fachausschuss Familienpflege“ unter dem Dach der
Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie (DGSP).
2003 Der Landesverband Westfalen-Lippe beschließt die flächendeckende Einführung der Familienpflege als regulärer Baustein der sozialpsychiatrischen Versorgung mit dem Ziel von 300 Pflegeverhältnissen innerhalb von 3 Jahren.
2004 Die 19. Jahrestagung der Familienpflege im deutschsprachigen Raum in Ravensburg bringt einen ersten Durchbruch hinsichtlich der Wahrnehmung durch die Fachöffentlichkeit. Prof. Klaus Dörner, als Festredner geladen, weicht von seiner zuvor äußerst kritischen Haltung der Familienpflege gegenüber ab.
2005 Der DGSP-Fachausschuss empfiehlt als bundeseinheitliche Bezeichnung für die Familienpflege „Betreutes Wohnen in Familien“ mit dem Suffix „Psychiatrische Familienpflege“ bzw. „Familienpflege für Menschen mit geistiger Behinderung“. Mittlerweile hat sich weitgehend die etwas flüssigere Bezeichnung „Betreutes Wohnen in Familien für Menschen mit Behinderung“ etabliert.
2009 Die Bundesregierung stellt im „Jahressteuergesetz 2009“ das Einkommen der Gastfamilien aus der Betreuung eines seelisch oder geistig behinderten Menschen steuerfrei.